Fair Play in bester Lage

Paradebeispiel für den Erfolg des Fairen Handels: der Eine-Welt-Laden Traunstein

Wie gut fairer Handel funktioniert, wenn er von einer breiten Basis getragen wird, zeigt sich am Eine-Welt-Laden Traunstein. Der dazu gehörige Verein feierte 2002 sein zehnjähriges Bestehen.

Modern, freundlich gestaltet und von netten Menschen geführt — am Weltladen in Traunstein kommt so schnell keiner vorbei. Nicht nur, weil er von engagierten Menschen quer durch alle Bevölkerungsschichten gestützt wird, auf das Wohlwollen von Stadt und Kirche zählen darf und als Institution längst anerkannt ist. Darüber hinaus verfügt der rund 75 Mitglieder starke Verein in der Bahnhofsstraße 1 über einen Laden in der besten Geschäftslage der Kreisstadt Traunstein. Möglich macht's ein "fairer Vermieter" — die katholische Kirchengemeinde St. Oswald.

Trausteins Bürgermeister im Weltladen
OB Fritz Stahl verkauft im Weltladen

Erstes Jugendteam in Bayern
Von Anfang an dabei waren Barbara Rassek und Gerhard Hübner, die heute an der Spitze des fünfköpfigen Vorstands stehen. Zum Vorstand gehören außerdem Ulrike Holzner-Moeller, Gründungsmitglied Elke Klecker und der erst 17 Jahre alte Sebastian Sedlmaier. Auf den Nachwuchs sind die Traunsteiner besonders stolz. Denn: Das siebenköpfige Jugendteam rings um Sebastian ist ihres Wissens das erste in ganz Bayern. Und bereits dabei, andernorts junge Menschen für faire Ziele zu begeistern. Auch ansonsten sind die Jungen nicht um gute Ideen verlegen. Sei es, dass sie beim Stadtfest faire Getränke verkaufen. Oder die Deko für ein Konzert gestalten, das auch Leute anspricht, die sonst nichts mit fairem Handel am Hut haben.

Warum sie sich für den Eine-Welt-Gedanken engagieren? Hübner liegt der "faire Umgang mit der ganzen Welt" seit jeher am Herzen. Und Barbara Rassek, Koordinatorin der lokalen Agenda 21 im Rathaus, wollte "mehr tun als nur fair kaufen". Auf Initiative des "Forums für eine Welt" und mit tatkräftiger Unterstützung der Pfarrgemeinde St. Oswald eröffnete die Gruppe 1992 ihren ersten Laden in der Scheibenstraße. Der Aufschwung erfolgte dann vor fünf Jahren mit dem Umzug in Traunsteins Ladenzeile Nummer eins.

Samstags brummt der Laden
Das Geschäft steht und fällt mit seinen ehrenamtlichen Helfern. Rund 55 Aktive zählt der Verein heute. Sie sorgen im Schichtdienst dafür, dass der Laden täglich von 9 bis 11.30 und von 15 bis 17.30 Uhr geöffnet ist, dazu samtags von 9.30 bis 12.30 Uhr. Und da "wir immer wieder hoch motivierte Mitarbeiter finden", wie Barbara Rassek lobt, ist der Betrieb gesichert. Ihr Ziel: "Dass noch mehr Leute als bisher bei uns einkaufen."

Samstags ist der Laden eigentlich immer voll. Das Hauptgeschäft machen nach wie vor die Lebensmittel aus. Die Renner sind Kaffee und Tee. Gut gehen auch Reis, Nudeln, Zucker, Brotaufstriche und Bananen. Der Verkauf von Kunsthandwerk, Spielwaren, Musikinstrumenten und Textilien spielt dagegen nur in der Vorweihnachtszeit eine größere Rolle.

Fair kommt auch im Rathaus an
Da sich die Warenpalette aber an der Nachfrage orientiert, können sich die Bilanzen des Vereins sehen lassen. Der Laden trägt sich längst selbst, 2002 lag der Jahresumsatz bei über 50 000 Euro. Den Gewinn in Höhe von 2500 Euro steckt der Verein wiederum in Hilfsprojekte, etwa in die Haiti-Kinderhilfe.

Solches Engagement findet auch im Rathaus Anerkennung. Nicht nur, dass dort fairer Kaffee ausgeschenkt wird: Oberbürgermeister Fritz Stahl stand sogar schon mal selbst einen Samstag lang an der Verkaufstheke — dank einer verlorenen Wette mit dem Jugendteam.